Klaus-Peter Neßler

Schönes Bild


Eine Frage die ich schon oft gestellt bekommen habe ist:
"Wieso ist ein Bild schön?"

 

Ich denke das ist eine wichtige, aber auch ziemlich komplizierte Sache.
Als erstes stellt sich doch die Frage:
Was bedeutet denn überhaupt "schön"?

Ich denke so kommen wir nicht weiter,
denn jeder empfindet doch Schönheit anders.


Wichtiger ist doch ob das Betrachten eines Bildes in einem etwas bewirkt.
Dass Gefühle entstehen.
Denn das ist es doch das Ziel eines jeden Fotografen.

Hierbei gibt es gravierende Unterschiede.
Manchen Bildern empfindet man als flach und flau,
schaut sich diese nur einige Sekunden lang an.

Andere kann man sehr lange anschauen und sich mit ihnen beschäftigen.
Und dann gibt es die Bilder die einem nicht mehr loslassen,
die man immer wieder anschauen muss.

 Woher kommen diese Unterschiede?
Dies hat wie so vieles, mit unserem Verhalten und Begreifen,
etwas mit unserer menschlichen Entwicklung,
unserer Erziehung und unseren Erfahrungen zu tun.

Also mit etwas was uns zu Teil mitgegeben wurde
und aber auch selbst erworben haben.

Vorgefertigte Schubladen denen wir so ohne Weiteres nicht entkommen können.


Diesen Schubladen entsprechend stecken ins unseren Köpfen Bildhafte Symbole.
Bei einem Baby sind das die großen Augen, der Runde Kopf
und die Körperproportionen, die in uns den Beschützerinstinkt auslösen.
Ein Bild eines lachenden Babys wird von uns allen mit schönen Gefühlen verbunden.
Ein schreiendes Baby erfüllt uns mit Sorge.
Bei nassen Blättern sind es die funkelnden Tropfen die für uns Frische ausstrahlen.
Die Sonne ist ein Sinnbild für Wärme und Leben.
Nach oben verlaufende, sich nähernden Linien sind ein Symbol für Räumlichkeit.
Nebel im düsteren wirkt unheimlich.
Nebel in der Morgensonne erzeugt eher Aufbruchsstimmung.

Es gibt da noch unendliche viele Beispiele die man aufführen könnte.


Ein Bild wird bei der Aufnahme von der dreidimensionalen Szene
zu einem flachen Bild zusammengedrückt
und alle weiteren Sinnesempfindungen gehen verloren.
So wird die Szene zu einem banalen zweidimensionales Gebilde aus farbigen Punkten.

Nur wenn wir es schaffen mit Bildsymbolen einen Kleine Geschichte zu erzählen
und Empfindungen zu wecken, wird das Bild zur Fotografie.

Dabei gibt es unterschiedliche Bildsymbole.
Es gibt komplexe Bildsymbole, wie das oben genannte Beispiel mit dem Baby.
Hinter diesen verbergen sich oft starke Gefühle.

Es gibt aber auch einfachere grafische Bildsymbole die das Auge lenken.
Dies geschieht fast unbemerkt, innerhalb von Bruchteilen von Sekunden,
oft auch wenn das Auge noch nicht scharf gestellt hat.

Das sind Bildsymbole wie Linien, Punkte und Flächen, denen das Auge folgt.
Mit diesen Symbolen kann zum Beispiel Räumlichkeit im Bild erzeugt werden.
Aber auch hier sind schon ansatzweise Gefühle verborgen.
So wirken scharfe Ecken eher als unangenehm.
Runde Formen eher als harmonisch.

Bilder können mit Gedichten verglichen werden.

Die grafischen Symbole wirken hierbei ordnend, wie Zeilen,
oder Schriftzeichen denen das Auge beim Lesen folgt.
Die Buchstaben kann man mit einfachen Symbolen vergleichen,
die sich zu Wörtern und ganzen Sätzen zusammensetzen können.

Doch nur wer Buchstaben und Satzzeichen kennt, kann Wörter und Sätze formen.
Und einige schaffen es dann, mit viel Übung und Talent, schöne Gedichte zu schreiben.
Gedichte die uns anrühren, mit denen wir uns Beschäftigen. 

Wenn man lernen will gute Bilder zu machen, muss man zuerst die „Buchstaben" lernen.
Dabei haben wir es eigentlich sehr viel besser als Kinder in der Schule.
Denn diese Buchstaben entsprechen den Symbolen die wir alle schon kennen.
Denn so begreifen wir die Welt.
Das bedeutet wir müssen uns nur selbst beobachten.

Erkunden welche Symbole in unserer Welt,
auf uns wirken und wie sie das tun.

Mit der Zeit wird man diese Symbole,
in seine Bilder einzubauen und anzuordnen wissen.


So jetzt noch einmal:
"Warum ist ein Bild schön?"

Meine Antwort ist:
"Wenn das Auge durch Bildsymbole beschäftigt wird,
die im Betrachter gute bzw. schöne Gefühle wecken".


Es gibt einige Fotografen die den Zusammenhang begriffen haben
und verbinden kleine Gedichte mit ihren Bildern.

Bei diesen "Heikuns" genannten Kurzgedichten
werden mit einigen symbolbehafteten Wörtern kurze,
bildbeschreibende Gedichte Formuliert.

 

Hier ein paar Links zu diesem Thema:

https://www.youtube.com/watch?v=P2xGyMNukI8
http://www.zooom-in.de/galerie/Haiku---der-fluechtige-Moment-in-der-Natur-463
http://www.haiku-heute.de/

 

Viel Spass

 

 


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