Klaus-Peter Neßler

Warum fotografiere ich?


Das ist eine Frage die sich jeder ernsthafte Fotograf schon einmal gestellt hat.
Bei der Vielzahl der Bilder die heutzutage gemacht werden,
ist diese Frage nicht unberechtigt.
Ist mein Bild denn nicht nur noch eins mehr in dem riesigen See von Bildern?
Ist es deshalb nicht sinnlos diesem See noch weitere Bilder hinzuzufügen,
oder kann man diese nicht einfacher aus dem Internet herunterladen,
die vielleicht auch noch viel besser sind als die eigenen Bilder?

Diese Gedanken kann einen Fotografen in eine Krise führen,
die ihn dazu bringt das Fotografieren aufzugeben. 
Hierzu möchte ich schreiben wie ich an dieses Thema herangehe
und wie ich dieses Problem für mich gelöst habe.

Bei mir gibt es einen Art Motivklingel.
Natürlich klingelt bei mir nichts.
In Wirklichkeit ist es lediglich mein gewecktes Interesse,
ein Gefühl für eine für mich interessanten Sache,
oder einer Person,
oder auch nur an einem Aspekt dieser,
wie die Farbe, die Form,
ein Gesichtsausdruck, das Licht usw.

Daraufhin versuche ich mich dem Motiv zu nähern.
Das wird natürlich, in den meisten Fällen, zuerst räumlich geschehen,
in dem ich mich dem Motiv zuwende.

Das wichtigere ist  jedoch in einer fotografischen Annäherung,
das Motiv zu erforschen.
Herauszufinden wie ich diese, für mich interessanten Aspekte,
möglichst gut darstellen kann.
Unter welcher Perspektive diese am besten zur Geltung kommen.
Wie wirkt sich das Licht auf mein Motiv aus?
Wie bildet sich der Schatten?
Steht das Motiv mit anderen in Beziehung?
usw.
 

Bei der Beschäftigung mit dem Motiv finde ich in der Regel
noch viele andere interessante Sichtweisen,
die sich lohnen dargestellt zu werden.
Diese Sichtweisen hätte ich
ohne die Beschäftigung mit dem Motiv nie erhalten.

Hierbei mache ich einige Bilder,
die ich mir im Kameradisplay anschaue und beurteile.
Bei der nächsten Aufnahme versuche ich die Darstellung dieser,
für mich interessanten Aspekte, zu optimieren.
So bekomme ich eine Reihe von Bildern,
von denen ich in der Regel kein einziges lösche.
Zu Hause am PC werden die Bilder chronologisch gespeichert.
 
Danach suche ich die Bilder aus die mir am vielversprechendsten erscheinen
und optimiere diese.
Hierbei kommt es zu einem Lernvorgang und die Bilder verbessern sich stetig.
Auch vornehmlich dokumentarische Bilder verbessern sich
und werden ausdrucksstärker.
Dieser Lernvorgang bringt einem nicht nur dazu bessere Bilder zu machen,
sondern verändert auch die Art wie man die Welt um sich herum wahrnimmt. 
Man erkennt, dass auch banale Dinge schön sein können,
oder meist als schön angesehene auch hässlich daherkommen können.
Zusammenhänge werden deutlicher.

Kurz und knapp.
Man lernt die Welt mit anderen Augen zu sehen.
 
Für mich steht in erster Linie das Interesse.
Ohne Interesse an etwas kann man seine Arbeit nur schlecht verrichten.
Das ist nicht nur beim Fotografieren so.
Deshalb ist es hilfreich neugierig zu sein.
Die Dinge dieser Welt vorurteilsfrei wie ein Kind zu erforschen.
Der Fotoapparat ist hierbei nur ein Hilfsmittel,
um diesen Forschungsweg darzustellen.
Das Bild ein willkommenes Abfallprodukt auf diesem Weg.

Also warum fotografiere ich?
Um meine Wahrnehmung zu schulen.
Die Welt mit anderen Augen zu sehen.
Dadurch andere, individuell bessere Bilder zu erhalten.
Wenn ich meine Bilder chronologisch archiviere,
werde ich mit der Zeit obendrauf noch ein fotografisches Tagebuch erhalten

 Natürlich auch einfach auch weil es Spaß macht.

 Ich denke das sind Gründe genug um dieses schöne Hobby weiter zu verfolgen.

 




 


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